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Der Wolf

mein Urahn

Zum Glück wird der Wolf heute nicht nur toleriert, inzwischen wird sogar wieder versucht, den Wolf in Deutschland anzusiedeln.
Dieses wunderschöne, faszinierende Tier muss uns erhalten bleiben!
Die folgende Beschreibung stammt aus dem Jahr 1938
Der Text stammt aus einem "Bilderbuch" des "Cigaretten-Bilderdienst Hamburg-Bahrenfeld"
Die Auswahl der Texte und Bilder lag damals in den Händen von Otto Koke. Die Druckerei war F. U. Brockhaus in Leipzig

Mit dem Wolf lernen wir eine neue Familie der Raubtiere kennen, die mit dem wissenschaftlichen Namen Canidae belegten hundeartigen. Ihre Vertreter kennzeichnen sich vornehmlich durch den schlanken Körper, den eingezogenen Leib, durch spitzschnäuzigen, gestreckten Kopf, hohe Beine und langen, buschig behaarten Schwanz, Rute genannt.
Es sind Zehengänger, die an den Vorderfüßen fünf und an den Hinterfüßen vier Zehen tragen, deren stumpfe, leicht gebogene Krallen nicht zurückziehbar sind, sondern aus den Zehengliedern hervorstehen.
Die hundeartigen sind Weltbürger und fehlen in keinem Erdteil
Ihre Nahrung besteht, wenn auch nicht ausschließlich, so doch vorwiegend aus lebenden Tieren, die im Laufen erjagd werden.
Obwohl der Wolf, Canis Lupus, im eigentlichen Sinne nicht mehr zur Tierwelt unserer Heimat gehört, da er nur noch als gelegentlicher Irrgast und Überläufer zu betrachten ist, spielt er als Fabeltier unter allen Geschöpfen bei uns noch heute die größte Rolle und ist durch die Märchen seit unserer Kindheit mit unserem Gedankengut verwurzelt
Als argem Vernichter von Haus und Wildtieren jeglicher Gattung und Art hat der Mensch dem scharfzähnigen Graukittel den Krieg erklärt, und da er sich den kulturellen Verhältnissen nicht anpassen kann, vielmehr in seiner Eigenschaft als schnellfüßiges, reißendes Raubtier mordet, wo er nur in Erscheinung treten mag, ist für ihn in unserer Heimat kein Platz mehr.
So werden auch die einzelnen Wölfe, die alljährlich von Polen oder Litauen unsere Grenze kreuzen, sofort abgeschossen, wo und wann sie sich zeigen mögen.
Neuerdings treten Wölfe auch im westlichen Grenzgebiet, vornehmlich im Saarland auf, die zur harten Jahreszeit aus den französischen Ardennen überwechseln. Daß es solchen Wölfen hin und wieder gelingt, bis in das Herz Deutschlands vorzustoßen, beweist die Tatsache, das ein Wolf im Jahre 1912 über ein halbes Jahr unerkannt in der Mark Brandenburg hauste, ehe er zur Strecke gebracht wurde.
Noch seltsamer ist ein verbürgter Fall aus der Grenzmark, wonach es nicht ausgeschlossen wäre, daß eine ganze Rotte Wölfe in deutschen Landen Heimatrecht erworben hätte.
Nachdem nämlich ein Förster vor einigen Jahren einen wildernden Schäferhund zur Strecke brachte, fand er unweit des Anschusses sechs Welpen, von denen er einen zur Aufzucht in sein Haus nahm.
Dieses heute im Berliner Zoologischen Garten lebende Tier hat sich nun aber als reinrassiger Wolf entpuppt, und daher wird der vermeintliche Schäferhund mit Sicherheit auch ein zugewechselter Wolf gewesen sein.
Diese Begebenheit beweist eindeutig, daß zwischen dem Wolf und dem Schäferhund eine große Ähnlichkeit bestehen muß, indes ist diese Tatsache an sich nicht verwunderlich, da der Wolf als einer der Stammväter unserer Hunderassen zu gelten hat und sich mit dem Haushund erfolgreich kreuzt.
Der noch heute in Skandinavien, Rußland, Polen, Serbien und den Karpatenländern, jedoch auch in Frankreich, Spanien und Griechenland auftretende Wolf hat eine Körperlänge von 1,15 m und eine Schulterhöhe von 85 cm, während die Rute eine Länge von 45 cm aufweist.
Das Gewicht ist den Gegenden gemäß verschieden, jedoch können als Höchstgewicht 45 Kilo angegeben werden.
Die Wölfin bleibt in der Größe und im Gewicht zurück.
Als Färbung ist ein fahles Graugelb vorherrschend, doch ändert sich der Farbton nach Gegend, Alter und Jahreszeit.
Im Norden hat der Wolf ein längeres Haarkleid als im Süden, und auch im Winter trägt er bei uns einen dichteren Pelz.
Im Übrigen kann er in seinem Äußeren mit einem sehr schweren deutschen Schäferhund mit starken Kopf und Gebiß verglichen werden. Die Zahnbildung des erwachsenen Wolfes zeigt folgende Formel:

oben: 2x1x4x3 zu 3x4x2x1
unten: 3x4x1x3 zu 3x1x4x3
also: 42 Zähne
Als echtes Lauftier ist der Wolf kein eigentlicher Waldbewohner wie der Braunbär, vielmehr liebt er als Aufenthalt auch weite, bruchartige Gebiete und selbst Gegenden von steppenartigem Gepräge.
Seine aus jeglichem warmblütigen Getier bestehende Nahrung erbeutet er meist im schnellen Lauf durch Hetzen.
Während des Frühjahrs und Sommers lebt er einzeln oder paarweise, im Herbst familienweise und im Winter in größeren Verbänden.
Trotz seiner Stärke zeigt der Wolf ein feiges Wesen; treibt ihn aber der Hunger, so lassen seine Verwegenheit und Tollkühnheit nichts zu wünschen übrig.
Die gebietsweise in verschiedene Zeiten fallende Ranzzeit währt von Ende Dezember bis in den Februar. Dann hört man mehr denn sonst sein langgezogenes, jaulendes Heulen.
Nach einer Tragzeit von 64 Tagen werden 4-8 Junge geworfen, die erst nach 2-3 Wochen die Augen öffnen. Zur Anlage der Wochenstube bezieht die Wölfin ein Versteck im Dickicht unter Baumwurzeln oder in Erdhöhlen. Wenn auch der Wolf dem Menschen ausnahmslos ausweicht, so kann er in bedrängtem oder verwundetem Zustande außerordentlich gefährlich werden.
Unter Krankheiten und Seuchen scheint der Wolf wenig zu leiden; hier und da wurden Fälle von Tollwut beobachtet.
Die Jagd auf den Wolf ist in Deutschland abgeblasen; gelegentlich ein- wechselnde Stücke werden erschossen.
In Rußland wird er auf großangelegten Treibjagden, auf Hetzjagden mit Barlois sowie vom Pferde und vom Schlitten aus erlegt.
Da ein Dulden des Wolfes in kultivierten Gegenden wegen seiner Schädlichkeit nicht tragbar ist, kann ihm in Deutschland kein Freistatt eingeräumt werden.